Auffuehrungen der Fledermaus gehoeren in Wien zum Ritual des Jahresausklanges des im deutschsprachigen Raum so genannten Silvesterabends wie am folgenden Morgen das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Zumindest eines der Wiener Opernhaeuser muss Die Fledermaus am 31. Dezember im Programm haben. In frueheren Jahren war das die auf das leichtere Genre spezialisierte Wiener Volksoper, in deren Repertoire die Strauss-Operette natuerlich niemals fehlen durfte nur dass gerade fuer Auffuehrungen an besonderen Tagen auch dort die erste Garnitur des Wiener Opernensembles zur Verfuegung stand. Seit der legendaeren Auffuehrung unter Herbert von Karajan, die am Silvesterabend 1960 Premiere hatte, ist Die Fledermaus aber auch in der grossen Oper am Ring heimisch geworden, und hier prunken die Auffuehrungen nicht nur an Feiertagen mit grossen Namen von Rosalinde bis zu Ida, von Eisenstein bis zu Dr. Falke lesen sich die Besetzungslisten seit 1960 wie ein Auszug aus dem Saenger-Gotha. Mit den Tenoeren, die an der Wiener Staatsoper den Alfred gesungen haben, koennte man alle Opern von Mozart bis Verdi besetzen, fuer die Rolle des Frosch im 3. Akt waren sich weder Burgschauspieler wie Josef Meinrad oder Karl Paryla noch prominente Gaeste wie Heinz Ruehmann oder hochkaraetige Saenger wie Erich Kunz zu schade. Auch Otto Schenk, der populaere Wiener Schauspieler, Regisseur und Theaterintendant, hatte in nicht weniger als 29 Vorstellungen als Frosch auf der Buehne gestanden, bevor er am Silvester-Abend des Jahres 1979 den Wiener Opernfreunden als Regisseur seine Version der Fledermaus zeigte. Eine im besten Sinne Wienerische Inszenierung, die alle guten Geister der Opera buffa, der klassischen Operette und des Volksstueckes in sich vereinigt, komoediantisch, ein wenig sentimental (weil das natuerlich, zumal an einem Altjahresabend, auch dazu gehoert), jeder Pointe zugeneigt und offen fuer den Moment spontaner Improvisation, doch auch sehr genau gearbeitet, weil das scheinbar Leichte nur dann wirklich ueberzeugt, wenn es von groesster Disziplin getragen wird. Die Premiere wurde vom Publikum stuermisch bejubelt, die Auffuehrung ist nicht nur unter Wiener Opernfreunden so etwas wie eine Legende geworden wohl auch deshalb, weil die Fernsehaufzeichnung sie in ihrer Ur-Form und mitreissenden Silvester-Laune erhalten hat. Denn als das Oesterreichische Fernsehen nur ein Jahr spaeter daran ging, Die Fledermaus direkt aus der Oper zu uebertragen und so ein Millionenpublikum zu gluecklichen Besuchern eines Silvesterabends in der Wiener Staatsoper zu machen, war alles noch frisch wie am ersten Tag. Nicht nur das Publikum spuerte die Freude aller Beteiligten. So schrieb Franz Endler in der Wiener Presse ueber die Auffuehrung, die der Fernsehuebertragung vorausging, unter der Ueberschrift Diese Fledermaus ueberfluegelt alles einen Hymnus, wie man ihn aus kritischer Feder selten zu lesen bekommt: In der Staatsoper ist mit der Fledermaus die hinreissendste aller Wiener Operetten in einer adaequaten Inszenierung und Besetzung zu geniessen. Wenn man Glueck und diese Besetzung hat und schon weiss man nicht, in welcher Reihenfolge da geschrieben werden soll. Denn alle, alle sind herrlich und Gluecksfaelle sondergleichen: Da ist Lucia Popp eine Rosalinde, wie man sie nur sehr selten zu sehen und zu hoeren bekommt. Da hat Edita Gruberova Hirn und Herz ganz offensichtlich (ein Wunder der Natur) in ihrer Kehle, ist somit fuer die Adele nahezu eine Verschwendung, aber wir haben sie halt. Da ist Brigitte Fassbaender ein Orlofsky, dem man Hymnen schreiben muesste gewiss, sie singt auch, aber wie sie dem Csrds der Lucia Popp zuhoert, so koennen andere nicht einmal mit voller Stimme singen. Jeder Blick ist da ein paar Koloraturen wert. Und da sind Bernd Weikl, baritonales Gegenstueck zur Gruberova (siehe Sitz von Herz und Hirn), Erich Kunz, Josef Hopferwieser, Walter Berry, Anton Wendler und Helmut Lohner, als Frosch wiederum das Gegenstueck zur Fassbaender (siehe Luxus). Und ein praeziser Chor, ein herrliches Orchester, ein seit dem vergangenen Silvester hoerbar animierter gewordener Theodor Guschlbauer als Dirigent und ein fuer Proben offenbar engagierter Otto Schenk als als Erfinder der sichtbar gewordenen Champagnerlaune, die im zweiten Akt der Fledermaus zugleich mit den Pfropfen aus den Flaschenhaelsen einem so etwas wie Freudentraenen aus den Augen schiessen laesst. [...] Kurz und unendlich dankbar: Die Wiener Staatsoper
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